Juwelen vom Bodensee

66 Vorarlberg E r steigt die Metalltreppe hinauf, schiebt die Luke in der Kupferkuppel auf und öffnet die vor ihm liegenden Jutesäcke. Das geschrotete Gersten- malz darin schüttet er durch die Öffnung in den gefliesten Kessel hinein, in dem sich bereits Wasser befindet. Der rundliche Braumeister erhitzt das Gemisch, das Maischen beginnt. Im hölzernen Bottich nebendran filtert er danach die Stammwürze und gibt dem Sud die Seele des Bieres, den Hopfen, zu. Jetzt muss der Braumeister die Würze kochen und wieder kühlen, damit (nach der Lagerung) Bier aus ihr wird – etwas, das in früheren Zeiten dazu führte, dass man Bier nur im Winter braute. Wer die sensationelle Historische Brauanlage aus dem Jahr 1897 im Museum der Mohrenbrauerei in Dornbirn bewundert, sieht diesen rundlichen Bierbrauer vor seinem geistigen Auge. Das vierstöckige Bier-Museum zeigt, wie herausfordernd es für frühere Generationen war, grünes Gold herzustellen. Traditionen werden lebendig und sie werden bis heute in Dornbirn vorgelebt, auch wenn das Brauverfahren inzwischen hochtechnisiert ist. Die Mohrenbrauerei ist seit sechs Generationen in Fami- lienbesitz. Man fühlt sich sowohl der Tradition verpflichtet, als auch der Moderne. Im Laufe ihrer 185-jährigen Ge- schichte war die Mohrenbrauerei häufig Vorreiter im Ein- satz technischer Errungenschaften: z.B. war sie die erste Brauerei Vorarlbergs, die einen Pritschenwagen anschaff- te, der sieben Pferde ersetzte. „Bewährtem treu bleiben, offen für Neues sein“, nennt es Geschäftsführer Heinz Huber, der den Betrieb seit Kinder- tagen begleitet. Die Familie hat vieles verändert, aber niemals die Qualität. Auch die Verwendung erneuerbarer Energien und besonders Menschlichkeit werden im Unter- nehmen groß geschrieben. Die Kunden schätzen es und belohnen mit 50% Marktanteil in Vorarlberg. Was sicher auch mit dem Geschmack zu tun hat. Gerste + Wasser + Hopfen = Mohren Die Mohrenbrauerei in Dornbirn: Vorarlbergs älteste Bierbrauerei

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